Das Laden von Elektrofahrzeugen wird häufig im Zusammenhang mit Leistung, Kompatibilität und Geschwindigkeit diskutiert. Deutlich weniger Aufmerksamkeit erhält die Temperatur – obwohl sie einer der entscheidendsten Faktoren dafür ist, wie sich ein Ladekabel im Laufe der Zeit verhält. Kalte Winter und heiße Sommer stellen nicht nur Fahrzeuge und Batterien auf die Probe. Sie testen auch die Materialien, die täglich zwischen Stromnetz und Fahrzeug stehen.
Ein Ladekabel ist keine statische Komponente. Es wird gebogen, aufgewickelt, gezogen, betreten, gefroren, erhitzt und Feuchtigkeit ausgesetzt. Die Temperatur beeinflusst direkt, wie gut es all dem standhält. Wer versteht, was im Inneren eines Kabels passiert, wenn Temperaturen fallen oder steigen, versteht auch, warum manche Kabel jahrelang flexibel und sicher bleiben, während andere schnell verhärten, reißen oder deutlich früher altern als erwartet.
Was Kälte mit Ladekabeln macht
Niedrige Temperaturen legen die Materialqualität sofort offen. Unter winterlichen Bedingungen, insbesondere um oder unter dem Gefrierpunkt, verliert die Isolierung um die Leiter an Elastizität. Günstigere Materialien verlieren ihre Flexibilität schneller, wodurch das Kabel schwerer zu handhaben und anfälliger für Schäden beim Biegen wird.
Wenn die Isolierung verhärtet, konzentriert sich die mechanische Belastung auf bestimmte Punkte: nahe am Stecker, an engen Biegeradien oder dort, wo das Kabel aus der Zugentlastung austritt. Mit der Zeit können durch diese wiederholte Belastung Mikrorisse in der Isolationsschicht entstehen. Diese sind oft mit bloßem Auge nicht sichtbar, ermöglichen jedoch das Eindringen von Feuchtigkeit in die Kabelstruktur. Sobald dies geschieht, sinkt die langfristige Zuverlässigkeit erheblich.
Der Winter ist daher nicht nur eine saisonale Unannehmlichkeit. Er ist ein realer Belastungstest, der zeigt, ob ein Ladekabel für den täglichen Einsatz entwickelt wurde oder lediglich die Mindestanforderungen unter kontrollierten Bedingungen erfüllt.
Hitze und langfristige Materialermüdung
Hohe Temperaturen bringen andere Herausforderungen mit sich. Während des Ladevorgangs erzeugt der Stromfluss naturgemäß Wärme in den Leitern. Bei warmen Umgebungstemperaturen, insbesondere während längerer Ladesitzungen, sind Isolationsmaterialien einer dauerhaften thermischen Belastung ausgesetzt.
Materialien geringerer Qualität werden bei Hitze weicher und kehren nach dem Abkühlen nicht vollständig in ihren ursprünglichen Zustand zurück. Dieser allmähliche Verlust struktureller Integrität beschleunigt den Alterungsprozess. Mit der Zeit kann die Isolierung spröde werden, schrumpfen oder ihre feste Verbindung zu den Leitern verlieren. Obwohl dieser Prozess langsam verläuft, beeinflusst er direkt die elektrische Stabilität und Sicherheitsreserven.
Ein hochwertig konstruiertes Ladekabel muss über tausende Heiz- und Abkühlzyklen hinweg formstabil und mechanisch belastbar bleiben. Das lässt sich nicht allein durch eine dickere Isolierung erreichen. Entscheidend ist die chemische Zusammensetzung des Materials und dessen Verhalten unter thermischer Belastung über Jahre hinweg.
TPU vs. Gummimischungen: Warum die Materialwahl entscheidend ist
In EV-Ladekabeln werden üblicherweise zwei Isolationsarten verwendet: thermoplastisches Polyurethan (TPU) und gummibasierte Mischungen. Auf dem Papier können beide regulatorische Anforderungen erfüllen. In der Praxis unterscheiden sie sich jedoch deutlich im Verhalten unter Temperatureinfluss.
Gummimischungen fühlen sich anfangs oft weich an, können jedoch bei Kälte spürbar verhärten. Wiederholte Exposition gegenüber niedrigen Temperaturen beschleunigt den Flexibilitätsverlust, erschwert die Handhabung im Winter und erhöht die mechanische Belastung im Alltag.
TPU hingegen behält – bei richtiger Formulierung – seine Flexibilität über einen größeren Temperaturbereich bei. Es widersteht sowohl kältebedingter Verhärtung als auch hitzebedingter Verformung deutlich besser. Diese Beständigkeit ist besonders wichtig für Nutzer, die ihr Fahrzeug ganzjährig im Freien laden, insbesondere in Regionen mit starken saisonalen Schwankungen.
Die Materialwahl beeinflusst zudem die Abriebfestigkeit und die Widerstandsfähigkeit gegen Mikrorisse. TPU-Isolierungen bieten in der Regel eine höhere Beständigkeit gegen Oberflächenschäden, wodurch das Risiko langfristiger Ausfälle reduziert wird.